
Das Filmprogramm wird kuratiert von Dmitrij Gluščevskij.
Alle Filme werden in Originalsprache mit litauischen und/oder englischen Untertiteln gezeigt. Alle Filmvorführungen sind kostenlos.

Das Häuschen der Hungerstreikenden
Achtung: Am gleichen Nachmittag gibt es im Thomas-Mann-Haus um 16 Uhr ein Gespräch mit dem Regisseur im Rahmen des Festival-Wortprogramms!
Regie: Karolis Kaupinis, Spielfilm, 85 Min.
Litauen, Tschechien, Lettland, 2025
Über die ersten Monate und Jahre der Unabhängigkeit Litauens spricht man heute zunehmend als über eine Zeit der Hoffnung und der Freude. In seinem Film erinnert Karolis Kaupinis daran, dass diese Gefühle oft von Verunsicherung und Ungewissheit begleitet waren.
„Das Häuschen der Hungerstreikenden“, formell eine absurdistische Komödie, erzählt eine fiktive Version der Geschichte rund um den Hungerstreik vor dem von der sowjetischen Armee besetzten Gebäude des Litauischen Rundfunks und Fernsehens. Tatsächlich aber ist der Film ein ebenso humorvolles wie scharfsinniges und nuanciertes Porträt eines Landes an einem Wendepunkt. Der kleine Wagen der Hungerstreikenden wird dabei zu einem Mikrokosmos des Landes: mittendrin sind die bekannte Fernsehansagerin Daiva, der korrupte Direktor Mykolas, der gescheiterte Schauspieler Sigis und der kompromisslose Dissident Ikasalas. Sie alle ahnen, dass die sich abzeichnende Zukunft auch ihre eigene Erneuerung verlangt. Doch noch sind sie dazu nicht bereit. Werden sie die Kraft finden, die Verbindungen zur Vergangenheit zu lösen?

Irena
Regie: Giedrė Žickytė, Dokumentarfilm, 90 Min. Litauen, 2025
Einführung: Ruth Leiserowitz
Sie wurde verfolgt, lebte im Ghetto, verlor alle ihre Angehörigen und überlebte wie durch ein Wunder. Das Schicksal der Literatur- und Theaterwissenschaftlerin sowie Dozentin Irena Veisaitė unterscheidet sich kaum von dem Tausender anderer Juden, die im Litauen der Zwischenkriegszeit lebten. Einzigartig ist nicht das erlebte Grauen, sondern die radikal humanistische Haltung, für die sie sich für den Rest ihres Lebens entschieden hat: nicht zu vergelten, keinen Hass zu bewahren, nicht zu verurteilen und unter keinen Umständen den Glauben an die Menschlichkeit zu verlieren—sie in sich selbst wie auch in anderen zu erkennen und zu bewahren.
Der neueste Film von Giedrė Žickytė ist eine Hommage an diese herausragende Persönlichkeit der litauischen Kultur. Er ist nicht nur ein historisches Zeugnis eines für immer verlorenen Litauens, sondern auch eine hoffnungsvolle Erinnerung daran, wie die eigene Haltung die Welt verändern kann, und zugleich eine Einladung.

In die Sonne schauen
Regie: Mascha Schilinski, Spielfilm, 149 Min. Deutschland, 2025
In Mascha Schilinskis Film, der Publikum und Kritik in Cannes gleichermaßen begeistert hat, gerät die Zeit beinahe im wörtlichen Sinne aus den Fugen. Zum zentralen Schauplatz und zugleich zur Hauptfigur wird ein Haus in Norddeutschland. Dort lebt zu Beginn des 20. Jahrhunderts Alma, später, in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, Erika, während der Zeit der DDR Angelika und schließlich, lange nach dem Fall der Berliner Mauer, Lenka. Die Räume gleichen einem Labyrinth, in dem die Frauen über die wechselnden Zeiten hinweg Schutz suchen, das Leben um sich herum beobachten und ihre ersten Erfahrungen und Traumata durchleben.

„In die Sonne schauen“ ist zweifellos ein zutiefst weiblicher, ja feministischer Film. Daher darf man sich nicht wundern, dass die Hoffnung hier nicht in Gestalt eines oberflächlichen Optimismus erscheint. Hoffnung bedeutet hier vielmehr Geduld und Standhaftigkeit angesichts schmerzhafter Erfahrungen, die sich durch die Generationen ziehen.

Timestamp | Стрічка часу
Regie: Kateryna Gornostai, Dokumentarfilm, 125 Min. Ukraine, 2025
Trotz des andauernden Krieges mit Russland findet der Unterricht an den Schulen der Ukraine weiterhin statt—um Kindern ihr Recht auf Bildung zu bewahren und ihnen wenigstens ein Stück Normalität zu erhalten. Der Film beobachtet aufmerksam den Alltag ukrainischer Schüler und Lehrkräfte, der von großer Gefahr geprägt ist: Schulen in Frontnähe sind längst zu Ruinen geworden.
„Timestamp“ ist weit mehr als nur ein weiterer Film über den Krieg in der Ukraine. Der Blick der talentierten Regisseurin Kateryna Gornostai eröffnet den Zugang zu etwas Größerem—zu Liebe, Freundschaft, Freiheit und Hoffnung.

Good Bye, Lenin!
Regie: Wolfgang Becker, Spielfilm, 121 Min. Deutschland, 2003
Alex’ Mutter erlitt im Oktober 1989, noch in der DDR, einen Herzinfarkt und fiel ins Koma. Acht Monate später erwacht sie in einem bereits vereinten Berlin. Aus Angst, die dramatischen Veränderungen könnten ihrer angeschlagenen Gesundheit schaden, beschließt Alex, ihr die politischen Umwälzungen zu verschweigen. Mit Hilfe seiner Familie und Freunde versucht er, die Illusion aufrechtzuerhalten, die ihr vertraute DDR existiere noch immer. Doch von Tag zu Tag wird es schwieriger, diese sorgfältig konstruierte Täuschung aufrechtzuerhalten.
Gleichermaßen hoffnungsvoll wie melancholisch erzählt der Film von Menschen, die zwischen zwei Welten stehen, die sich unaufhaltsam voneinander entfernen.

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Schlagwörter: Kinonächte
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